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Als Sprachexpertin und Coach mit Fokus «Sprache und Persönlichkeit» teile ich mit Ihnen hier meine Beobachtungen, Erkenntnisse und Erfahrungen rund um die Themen Sprache, Persönlichkeit, Arbeitswelt und Coaching. Es erwarten Sie tiefsinnige, kritische und erhellende Texte. Seit diesem Jahr auch als Podcast.

01 Persönlichkeit – wer wir sind und was uns ausmacht

02 Sprache und Persönlichkeit

03 Der GPI®-Persönlichkeitstest

04 Die Individualpsychologie

05 Unser Menschenbild

06 Meine Methode

07 Pitching

08 Von Dokumentarfilmen über Stars lernen (mit Podcast)

09 Selbstwert und Schaffenskraft (mit Podcast)

10 Authentizität

11 Zuhören I (mit Podcast)

12 Zuhören II (mit Podcast)

    Persönlichkeit – wer wir sind und was uns ausmacht 

    14. Oktober 2020

    Wer sind Sie? Was bieten Sie? Warum Sie?

    Die Corona-Krise hat die Digitalisierung beschleunigt und damit auch den Arbeitsmarkt rascher verändert als erwartet. Druck und Tempo bleiben bestimmende Faktoren in unserem Arbeitsalltag und beherrschen zunehmend auch unser Privatleben. Ungewissheit und Unsicherheit wachsen und mit ihnen die Angst zu verlieren, was wir aufgebaut haben. Viele Angestellte rechnen damit, entlassen zu werden. Die Generation 45plus ist bei Stellenverlust besonders herausgefordert: «Werde ich noch eine Stelle finden? Bin ich zu teuer? Bin ich genug agil und digital flexibel? Kann ich noch mithalten? Was will ich?»

    Jede Begegnung, ob in der Bahn, an einer Sitzung oder beim Abendessen mit Freunden ist jetzt eine Chance, sich kurz vorzustellen. In jeder Person, der wir real oder virtuell begegnen, steckt eine potenzielle Auftraggeberin oder ein Stellenvermittler. Darum ist es wichtig zu wissen, was uns ausmacht. Darum ist es wichtig, uns jederzeit in wenigen Worten auf den Punkt zu bringen. Was sagen Sie, wenn Sie plötzlich einer einflussreichen Person vorgestellt werden? Was muss Ihr Gegenüber unbedingt von Ihnen wissen und auch behalten können?

    Darauf bereitet Sie profil45plus vor. Sie arbeiten konzentriert an Ihrem Profil wie der Bildhauer an seiner Skulptur. Am Ende reichen wenige Sätze, um Ihre Einzigartigkeit zum Ausdruck zu bringen (Pitch). Doch die Arbeit an der Persönlichkeit dient nicht nur dazu, sich überzeugend zu präsentieren und positionieren. Die gewonnene Selbsterkenntnis und das neue Selbstverständnis beugen Fehlentscheidungen vor und erweitern Ihren Handlungsspielraum. Das stärkt und motiviert und wirkt sich auch auf Ihr Umfeld aus.

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    Sprache und Persönlichkeit

    18. Oktober 2020

    Die Sprache ist Ausdruck, dient der Verständigung (Kommunikation) und macht bewusst. Ich verstehe und nutze die Sprache als Spiegel der Persönlichkeit.

    Ich habe einen journalistisch-linguistischen Hintergrund und nie aufgehört zu schreiben. Die Sprache ist mein Medium. Als Äusserung (verbalisiert) ist die Sprache aber immer auch Hinweis, weil sie etwas über unsere Persönlichkeit verrät. Was wir sagen und wie wir es sagen – in unserer Themen- und Wortwahl können wir einiges über uns erfahren. In unseren Beschreibungen von Situationen kommen unsere Denk- und Verhaltensmuster zum Vorschein. Darum ist die Sprache in der Beratung so zentral.

    Ich war zeitlebens darum bemüht, Menschen zuzuhören, sie zu verstehen und Fragen zu stellen, wenn mir etwas unklar war. Durch das aufmerksame Zuhören schulte und verfeinerte ich mein Einfühlungsvermögen. Beim Schreiben fasste ich in Worte, was ich zu erkennen glaubte. Die Sprache wurde mir zur Ressource für das tiefere Verständnis der anderen und meiner selbst, aber auch zum Schlüssel in meiner Beratungstätigkeit.

    In den vielen Gesprächen der letzten 20 Monate, sei es privat oder beim Coaching, ist mir aufgefallen, dass meine Sensibilität für das Individuum und seine Worte, Menschen sich näher bringt und weiterführt – persönlich wie beruflich. Die unter Fachleuten viel beschworene «Fragetechnik» wird meines Erachtens stark überbewertet. Ich habe gelernt, dass es vielmehr darum geht, die Ant-Wort unseres Gegenübers genauer lesen zu lernen, einzelne Wörter als Kern der Botschaft zu entschlüsseln. Das braucht viel Übung, aber vor allem braucht es Fingerspitzengefühl, das ganz Persönliche in der Sprache zu erkennen. Zu benennen, was wir erkennen, erleichtert uns. So hat beispielsweise ein einziges Wort einer Klientin – das Wort «unklar» – beiläufig, aber wiederholt geäussert, ihr Denk- und Verhaltensmuster bewusst gemacht und sie zu völlig neuen Schritten befähigt. Eine andere Klientin nannte es einen «LICHTBLICK».

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    Der GPI®-Persönlichkeitstest

    21. Oktober 2020

    GPI® steht für die vier Grundrichtungen der Persönlichkeit basierend auf der Individualpsychologie. Der GPI®-Persönlichkeitstest wurde von Urs R. Bärtschi, meinem Ausbilder, entwickelt. Der Test dient dazu, uns und unsere Verhaltensmuster besser zu verstehen und ist eine mögliche Lesart unserer individuellen Persönlichkeit. Er fördert die Selbsterkenntnis und zeigt, wo unsere Stärken liegen, aber auch, was uns bremst.

    Der GPI®-Persönlichkeitstest ist ein Grundbaustein meines Angebots, weil er bei meiner eigenen beruflichen Neuorientierung wie ein Katalysator wirkte und mein Potenzial umgehend freilegte. Ich gewann neue Perspektiven und eine klare Richtung. Seither treffe ich meine Entscheide rascher und bestimmter. Meine Klientinnen übrigens auch.

    Der GPI®-Test kann uns viele Umwege ersparen, wenn wir bereit sind, uns ungeschminkt im Spiegel zu betrachten. Er verändert nicht nur den Umgang mit uns selbst, sondern auch die Sicht auf unsere Mitmenschen. Wer sich seiner Individualität bewusster ist, wird meistens auch toleranter gegenüber anderen.

    In seinem Buch «Ich bin mein eigener Coach – Wie Sie innere Gegensätze in Autonomie verwandeln» beschreibt Urs R. Bärtschi ausgezeichnet die vier Grundrichtungen – geschäftig, konsequent, freundlich, gemütlich. Das Buch ist kurz, entlarvend und witzig und soeben in der 3. Auflage erschienen. Es ist ein hervorragender Begleiter meines Angebots.

    BUCHTIPP: Urs R. Bärtschi: «Ich bin mein eigener Coach – Wie Sie innere Gegensätze in Autonomie verwandeln», Springer Gabler, 2020, 3. Auflage

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    Die Individualpsychologie

    26. Oktober 2020

    Dieser Beitrag ist eine stark vereinfachte Darstellung der Individualpsychologie von Alfred Adler (1870-1937). Nach einer kurzen Einführung werde ich auf ein paar Grundbegriffe Adlers hinweisen, die ich für das Verständnis der Persönlichkeit und für die Persönlichkeitsbildung als besonders wertvoll erachte. Als Coach arbeite ich mit einem individualpsychologischen und einem sprachtheoretischen Ansatz.

    Adlers Individualpsychologie ist am besten zu verstehen im Kontext der jahrelangen Kontroversen mit Sigmund Freud. «Die grundsätzliche Bedeutung von Alfred Adler liegt wohl darin, dass er den Menschen nicht vom Trieb, sondern vom Streben her erfasste und dass er den Sinn des Lebens in der ständigen Vervollkommnung und zugleich in der Verantwortung für die mitmenschliche Gemeinschaft deutete. Adler setzte sich von dem Triebmodell von Freud ab und suchte den Menschen…vom Streben her zu verstehen», schrieb Prof. Dr. Ernst Bornemann 1972 in seiner Einführung zu «Alfred Adlers Individualpsychologie» von Ansbacher und Ansbacher*. In dieser Zusammenfassung sind die Grundlinien Adlers Individualpsychologie bereits erkennbar.

    Adler und Freud stritten sich immer wieder um sprachliche Begriffe und passten sie laufend individuell an. Das Buch «Grundbegriffe der Individualpsychologie» von Rudolf Dreikurs** ist eine gute Einführung in Adlers Terminologie. Wichtig scheint mir aber, dass die Begriffe nicht isoliert, sondern immer in Beziehung zueinander und im Lebenskontext des Individuums gesehen werden.

    Die «Individualpsychologie» wird und wurde von vielen missverstanden, weil die Wahl des Begriffs tatsächlich irreführend ist. Manche verwechseln die Individualpsychologie mit «Individualismus». Dabei wollte Adler mit dem Begriff einerseits auf die «Einheit», das «Unteilbare» (lat. individuum) und das Einzigartige des Menschen hinweisen, das Individuum aber immer auch als soziales Wesen in Beziehung zu seiner Umwelt verstehen.

    Das sogenannte «Gemeinschaftsgefühl» entwickeln wir aus der Wechselwirkung von Individuum und Gemeinschaft – ein Grundbaustein der Adlerschen Psychologie. Adler glaubte, dass Verhaltensstörungen und Neurosen in den meisten Fällen auf einen Mangel an Gemeinschaftsgefühl zurückzuführen wären.

    Mit dem Gemeinschaftsgefühl eng verbunden ist das «Minderwertigkeitsgefühl». Bereits das Neugeborene erfährt sich in seiner Abhängigkeit von seiner Umwelt als minderwertig. Doch jeder reagiert anders auf diese Abhängigkeit und Minderwertigkeit. Unser individueller Umgang mit Minderwertigkeitsgefühlen zeigt sich also bereits in den ersten Reaktionen auf unsere Umwelt. Jedes Kleinkind, so Adler, sei bestrebt, sein Minderwertigkeitsgefühl zu überwinden, indem es unbewusst ein fiktives Ziel («Finalität») setzt, das Erleichterung verspricht.

    Das «Streben» nach diesem fiktiven Ziel wird zum bestimmenden Motor unseres Lebens und ist sehr deutlich an unseren Denk- und Verhaltensmustern abzulesen. Es spiegelt sich auch in den Grundrichtungen der Persönlichkeit (GPI®). Wir brauchen nicht zwingend in der Vergangenheit zu wühlen, um zu erkennen, wonach wir streben. Wir können an unserem heutigen Verhalten beobachten, wie wir ticken. Adler spricht auch vom «Lebensstil» – unserer Eigenart, mit dem Leben, unseren Mitmenschen und Herausforderungen umzugehen. Unseren Lebensstil zu kennen, kann in Veränderungsprozessen sehr hilfreich sein. Gerade in Krisensituationen kommen unsere Muster ungeschönt zum Vorschein. Das ist auch eine Chance, etwas zu verändern. Diese Chance zu nutzen, ist das Hauptanliegen von profil45plus.

    *Heinz L. Ansbacher und Rowena R. Ansbacher: «Alfred Adlers Individualpsychologie», Ernst Reinhard Verlag München, 1972

    **Rudolf Dreikurs: «Grundbegriffe der Individualpsychologie», Klett-Cotta, 2019, 16. Auflage

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    Unser Menschenbild

    27. Oktober 2020

    Unser Lebensstil (s. Individualpsychologie), unsere Einstellungen und Meinungen sind an unser Menschenbild gekoppelt. Ob wir eher wie Adler an die schöpferische Kraft des Individuums glauben oder ob wir den Menschen wie Freud mit der Trieblehre erklären, wird unser Denken und Handeln beeinflussen. Ob wir unser Leben als ein Streben nach Vervollkommnung verstehen oder rückwärts gewandt unseren Trieben verhaftet bleiben, sind zwei unterschiedliche Perspektiven.

    Dass ich mich mit der Individualpsychologie angefreundet habe, liegt zweifelsfrei an meiner Coaching-Ausbildung, die auf dieser Schule baut. Das hindert mich allerdings nicht daran, über den Tellerrand hinauszublicken und immer wieder zu hinterfragen, was ich vertrete.

    Das optimistische Menschenbild von Alfred Adler ist attraktiv, weil es uns Hoffnung macht. Hoffnung ist ein grosses Wort und weckte auch bei mir zunächst Skepsis. Als ich dann aber bei der Analyse meines eigenen Lebensweges entdeckte, was mich bisher leitete, war es nichts anderes als der Glaube an das Gute im Menschen. Adlers Menschenbild und seine Persönlichkeitslehre deckten sich mit meinen eigenen Beobachtungen und Erkenntnissen. Dieser persönliche Bezug ist mir wichtig für meine Arbeit als Coach, weil ich mich nicht bloss auf eine Lehre beziehe, sondern ergänzend auf reflektierte Erfahrung.

    Ausgehend vom Glauben an das Gute im Menschen werde ich in jedem Moment, sogar in Krisenzeiten, bestrebt sein, dem Geschehen oder der Situation einen Sinn abzugewinnen oder zu geben. Unsere Sichtweise der Dinge wird im Laufe der Zeit zu einer Haltung. Und diese Haltung bestimmt massgeblich unser Tun. Ob wir einen Fehltritt als Scheitern verurteilen oder als Chance betrachten, unseren Irrtum zu korrigieren, ist ein markanter Unterschied.

    Das grosse Gut des Menschen ist seine Freiheit auszuwählen, aus welchem Blickwinkel er die Dinge betrachtet. Die Dinge kann er nicht verändern, aber seine Haltung zu den Dingen.
    So zeichnet Adler nicht nur ein optimistisches Menschenbild, sondern bietet mit seiner Individualpsychologie ein Instrument für die Selbstentfaltung und zugleich für die Selbstverantwortung. Den Menschen als einheitliches, einzigartiges, zielgerichtetes, schöpferisches, soziales und selbstverantwortliches Einzelwesen zu sehen, ist ein Angebot, das wir annehmen oder ablehnen können. Wir haben die Wahl.

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    Meine Methode

    28. Oktober 2020

    In diesem Beitrag gebe ich einen Einblick in meine eigene Coaching-Methode, die zum Ziel hat, die Persönlichkeit zur Sprache und auf den Punkt zu bringen.

    Im Verlaufe der letzten zwei Jahre habe ich mit meinem dreitägigen Intensivprogramm «profil45plus – Persönlichkeit, Profil, Pitch» ein Angebot entwickelt, das der Generation 45plus im Change-Prozess lange und teure Umwege ersparen will. Ziel ist ein starker, selbstbewusster und authentischer Auftritt meiner Klientinnen und Klienten, sei es beim nächsten Vorstellungsgespräch, bei der spontanen Begegnung oder bei einer wichtigen Verhandlung.

    Das Programm ist während meiner Ausbildung zum Coach entstanden. Ich wählte jene Elemente aus, die meinem eigenen Profil klare Konturen gaben. Mit dem GPI®-Test, einer Handvoll Tools und meinen schriftlichen Reflexionen stand das Gerüst für das Programm. Mein Ziel war, dass meine Klientinnen und Klienten in drei Tagen konzentrierter und intensiver Arbeit ihr Persönlichkeitsprofil erarbeiten, um für jede Herausforderung bestens vorbereitet zu sein.

    Erst beim Testlauf des Programms mit einer Klientin per Skype erkannte ich, was nebst Struktur und Intensität mein Angebot einzigartig macht: das Persönlichkeitsprofil mittels drei sprachlicher Methoden herauszuarbeiten. Beim Verbalisieren (Sprachwerdung), Reflektieren (nach-denken) und Formulieren (Form geben) gewinnt mein Gegenüber rasch Klarheit und stärkt das Bewusstsein, kann Wesentliches besser von Unwesentlichem trennen und trifft rascher Entscheidungen. Diese Erkenntnis ist für mich grundsätzlich nicht neu, weil ich diese drei Methoden anwende, seit ich schreiben kann. Dass aber auch mein Gegenüber in hohem Masse davon profitiert, liess mich aufhorchen.

    Inzwischen bin ich daran, eine Arbeit über die drei angewandten sprachlichen Methoden zu schreiben, um sie auch anderen Beratenden zugänglich zu machen.

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    Pitching

    4. November 2020

    Der «Pitch», bekannter als «Elevator Pitch», ist eine Methode, um eine Idee prägnant zu präsentieren. Während der Dauer einer Aufzugsfahrt von knapp einer Minute wollen Sie Ihr Gegenüber als Investor gewinnen. Wer auf Stellensuche ist, hat das gleiche Ziel: sein Gegenüber in wenigen Sätzen von sich zu überzeugen. Das braucht gute Vorbereitung und viel Übung.

    Beim Pitchen lernen Sie aber nicht nur, sich selbst und Ihren Nutzen für andere auf den Punkt zu bringen. Pitching ist eine ausgezeichnete Übung, die Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren: auf die Kernbotschaft. Sie trainieren Ihre Konzentration, das Fokussieren und Vereinfachen – ein hervorragendes Hilfsmittel, um sich in der immer komplexeren Welt zurechtzufinden und um Zeichen zu setzen.

    Als Sprachexpertin und Coach mit Fokus Sprache und Persönlichkeit nutze ich Pitching als Methode zur klaren Positionierung. Meine Klientinnen und Klienten lernen zugleich, ihre Gedanken zu bündeln und zu strukturieren. Sie formulieren ihre Ziele SMART*er. Damit profitieren sie gleich zweifach vom Pitch-Training: Sie markieren Präsenz und handeln zielorientierter.

    *SMART: Specific, Measurable, Achievable, Reasonable, Time Bound (spezifisch, messbar, machbar, realistisch, terminiert)

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    Von Dokumentarfilmen über Stars lernen

    10. Januar 2021

    arte ist einer meiner Lieblingssender. Ich schaute mir kürzlich drei Dokumentarfilme über Stars an: Sting, Bryan Ferry und Tom Cruise.

    Warum sind Dokumentarfilme so beliebt?

    Weil sie eine Sache oder eine Person von verschiedenen Seiten beleuchten und in einen grösseren Kontext stellen, anstatt nur einen Aspekt zu betrachten. Weil ganz viel Material zusammengetragen wird und zahlreiche Menschen und Experten zu Wort kommen, um ein Thema oder eine Persönlichkeit differenzierter zu präsentieren.

    Warum sind Stars so attraktiv für uns?

    Weil sie erfolgreich sind und grosse Aufmerksamkeit geniessen. Weil sie für uns oft ein Idealbild verkörpern. Weil wir insgeheim auch gerne ein Star wären. In Dokumentarfilmen können wir zudem hinter die Kulissen schauen und fühlen uns durch die Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt dem Star rasch näher. Wir entdecken plötzlich, dass er genauso verwundbar und vergänglich ist wie wir, dass hinter seinem Erfolg meist harte Knochenarbeit und viele Enttäuschungen stecken. Der Dokumentarfilm über einen Star wird so zum Spiegel unserer eigenen Persönlichkeit mit ihren Sonnen- und Schattenseiten, mit unseren Möglichkeiten und unserer Fehlbarkeit. Unser «Vorbild» in seiner Menschlichkeit zu sehen, kann uns bei der Selbsterkenntnis und Selbstannahme helfen und uns gleichzeitig Mut machen, trotz Hindernissen nicht aufzugeben. Die vermeintliche Nähe zum Star im Dokumentarfilm ist nichts anderes als der Draht zu uns selbst. Zudem schenken uns Stars in ihren ganz persönlichen Statements immer wieder grosse Lebensweisheiten. So zum Beispiel der Musiker, Bryan Ferry, im erwähnten Dokumentarfilm auf arte (in der deutschen Übersetzung):

    Als Künstler müssen wir manchmal das Bedürfnis, das Verlangen haben, etwas zu schaffen. Ich glaube, das kommt von einem Mangel an Selbstwertgefühl. Wir wollen etwas machen, das besser ist als wir selbst.

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    Selbstwert und Schaffenskraft

    13. Januar 2021

    Der letzte Beitrag endete mit einem Zitat vom Musiker Bryan Ferry, der hinter dem Schaffen des Künstlers einen Mangel an Selbstwert vermutet:

    Als Künstler müssen wir manchmal das Bedürfnis, das Verlangen haben, etwas zu schaffen. Ich glaube, das kommt von einem Mangel an Selbstwertgefühl. Wir wollen etwas machen, das besser ist als wir selbst.

    Was finde ich daran so interessant?

    Erstens bringt Bryan Ferry mit seiner Aussage individualpsychologisches Gedankengut auf den Punkt, nämlich, dass unser Streben nach Vollkommenheit in Minderwertigkeitsgefühlen wurzelt. Zweitens steht das künstlerische Schaffen exemplarisch für den dynamischen Prozess unseres Lebens. Bryan Ferry skizziert die Grundstruktur der Persönlichkeit aus individualpsychologischer Sicht: Der Mensch, der in seinem Tun immer nach Höherem strebt, um seine Minderwertigkeitsgefühle zu überwinden. Was er als Höheres definiert, in welchen Situationen er sich minderwertig fühlt und wie es ihm schliesslich gelingt, das zu tun, was ihm Erleichterung verschafft, ist subjektiv und individuell verschieden. Am Beispiel des Künstlers, der sein Kunstwerk vollbringt, erkennen wir unser eigenes Streben nach einem Ziel und Resultat, das in jedem Tun steckt, sei es auch nur in unserer sprachlichen Mitteilung, mit der wir etwas bei unserem Gegenüber erreichen wollen.

    Wer sein Leben aus dieser Perspektive zu betrachten beginnt und sich im unvollkommenen Künstler und Star, Bryan Ferry, wieder erkennt, dem fällt es vielleicht leichter zu verstehen, wonach er in seinem Tun und Leben wirklich strebt.

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    Authentizität

    5. Juni 2021

    Authentizität ist einer meiner zentralen Werte. Ich habe damit mein Leben lang in Kauf genommen, belächelt oder (zu Schulzeiten) in die Schranken gewiesen zu werden. Erstaunlicherweise wurde ich für meine Eigenart vielmehr geschätzt als ausgegrenzt. Zu sein und mich zu zeigen, wie ich bin, erachte ich heute als Schlüssel meines Werdegangs. Damit will ich andere ermutigen, an sich zu glauben.

    Das Wort Authentizität hat seinen Ursprung im griech. αὐθεντικός (authentikos), das zu griech. «auth-éntes» (Urheber, Ausführer) gehört. Dessen erstes Glied ist griech. «autos» (selbst, eigen). Das zweite Glied ist nicht sicher gedeutet. Wir benutzen das Wort «authentisch» oft in der Bedeutung von «echt», «glaubwürdig» oder «ursprünglich». Ich lege den Fokus auf das Glied «autos» in der Bedeutung von «selbst, eigen». Damit schlage ich auch gleich den Bogen zur Individualität, zu unserer Einzigartigkeit und zum Un-teilbaren des In-dividuums (s. weiter oben Individualpsychologie).

    In meinen Begleitungen und Beratungen geht es immer um diese «Authentizität», um das, was uns ausmacht. Egal in welcher Lebenssituation Sie sich gerade befinden – jeder ist insgeheim darum bestrebt, (an)erkannt zu werden als derjenige, der er ist. Spannungen und Konflikte entstehen vor allem dann, wenn wir nicht als diejenigen (an)erkannt werden (oder anerkannt zu werden glauben), die wir sind oder die wir gerne wären. Ich sehe meine Hauptaufgabe als Coach darin, mit Ihnen an Ihrem authentischen Auftritt zu arbeiten, daran, zu zeigen, wer Sie sind und nicht, wer Sie gerne wären. Das ist keine Garantie, dass andere erkennen werden, wer Sie wirklich sind. Aber es ist ein erster Schritt auf dem langen Weg zur Selbstannahme.

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    Zuhören I

    25. Juni 2021

    Wie gut können Sie zuhören? Was macht einen guten Zuhörer aus?

    Lange bevor ich als Coach zu arbeiten begann, sagten mir immer wieder wildfremde Menschen, denen ich erst gerade begegnet war, sie würden mir Dinge anvertrauen, die sie noch niemandem erzählt hätten. Ich war jedes Mal überrascht und auch berührt, verstand aber nie genau, woran das liegen könnte. Denn ich tat im Grunde nichts anderes, als diesen Menschen zuzuhören.

    Nach meiner Ausbildung zur Coach/Mentorin und meiner Abschlussarbeit zum Thema «Sprache und Bewusstsein» wird mir klar, was ich völlig unterschätzt hatte: wie stark mein Sprachbewusstsein mit meiner Fähigkeit zuzuhören zusammenhängt. Das werde ich in einem anderen Beitrag genauer erläutern.

    Im Kontext von Coaching und Beratung spricht man besonders gern vom «achtsamen» oder «aufmerksamen» Zuhören. Aus meiner Sicht ist das Adjektiv überflüssig. Im Wort Zu-hören allein steckt die Zu-gewandtheit und damit die Aufmerksamkeit. Als vor ein paar Tagen in meinem Romanfragment plötzlich der Satz stand: «Wer zuhört, schweigt» unterstrich ich damit die Bedeutung des Zu-hörens, das ohne Aufmerksamkeit gar nicht möglich ist. Es gibt keine unaufmerksamen Zuhörer. Entweder hört man zu oder man hört nicht zu.

    Doch kehren wir an den Anfang zurück, warum Menschen rasch unser Vertrauen gewinnen. Es geht um diese Zugewandtheit beim Zuhören. Es geht um nichts anderes als um die Aufmerksamkeit, die wir unserem Gegenüber einen Moment lang schenken. Sich vom anderen verstanden zu fühlen, hat oftmals wenig damit zu tun, ob der andere uns wirklich versteht als vielmehr damit, dass uns jemand zuhört. Damit wäre der Einwand gerechtfertigt, dass unser Honorar als Beratende massiv überrissen sei. Daraus wird auch gerne abgeleitet, dass Probleme und Konflikte erst gar nicht entstehen würden, wenn wir uns mehr Zeit und Aufmerksamkeit schenkten. Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn im Wort «Zuhören» steckt auch das Wort «hören» und die Zugewandtheit weist auf eine Beziehung zwischen Sprecher und Zuhörer hin. Auf diese zwei Aspekte werde ich ein andermal eingehen.

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    Zuhören II

    28. Juni 2021

    In meinem letzten Beitrag sprach ich über die Bedeutung des Zuhörens und darüber, wie Zuhören, Aufmerksamkeit und Vertrauen zusammenhängen. Ich sprach von der Zugewandtheit beim Zuhören.

    Heute will ich noch zwei weitere Aspekte beleuchten, die gerne vergessen gehen: Im Präfix «zu» des Wortes «zuhören» steckt nicht nur die genannte Zugewandtheit. Das Präfix «zu» verweist auch auf eine Beziehung zwischen Sprecher und Zuhörer. Paul Watzlawick schenkt in seiner Kommunikationstheorie Menschliche Kommunikation* dem «Beziehungsaspekt» der Kommunikation grosse Aufmerksamkeit. Ich werde diesen Aspekt in einem separaten Beitrag erläutern. Im Wort «zuhören» steckt aber auch das Verb «hören». Als Zuhörerin höre ich, was mein Gegenüber spricht. Was ich als Zuhörerin genau höre, hat jedoch sehr viel mit mir selbst zu tun, erstens, weil ich beim Zuhören immer eine subjektive Auswahl davon treffe, was mir wichtig scheint und zweitens, weil unsere Sprache immer eine individuelle Prägung hat. Das Wort «Erfolg» mag bei mir als Zuhörerin etwas völlig anderes auslösen, als ursprünglich gedacht. Was ich vom Gesagten meines Gegenübers wirklich verstehe und ob ich es überhaupt verstehe, bleibt daher immer eine Vermutung.

    Damit wird klar, a) wie komplex Kommunikation ist und b) wie stark das Vertrauen im Gespräch von der Beziehung Ich-Du abhängig ist. Als Beraterin Empathie mitzubringen und über Expertenwissen und einen Koffer voll Interventionen zu verfügen, nützen meines Erachtens wenig, wenn das Bewusstsein für die Komplexität der Kommunikation und für die sprachlichen Nuancen im Gespräch fehlt. Deshalb verstehe ich «Zuhören» als eine Kernkompetenz für die professionelle Beratung und Begleitung, weil dabei unser Sprachbewusstsein, die Beziehungsgestaltung und unser subtiles Einfühlungsvermögen gleichermassen gefragt sind.

    Was aber tun wir als Beratende ausser zuzuhören? Darüber werde ich in meinem nächsten Beitrag berichten.

    * Paul Watzlawick (Janet H. Beavin, Don D. Jackson): «Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien», Hogrefe Verlag Bern, 2017, 13., unveränderte Auflage

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